Kultur ist eines der Stürzen unserer Gesellschaft, eine Gesellschaft die den Anspruch auf Qualität und Zukunft verdient. Ich habe Fritz Schneider vom Kulturnetzwerk Schwarzenbruck zum Themma befragt und ehrliche Antworten bekommen, wenn diese auch nicht immer Schmeichelhaft ausfallen.

Herr Schneider, wie beschreiben Sie Kultur?

Für uns im KulturNetzwerk Schwarzenbruck und für mich persönlich als Vorstand ist Kultur der Klebstoff, der die Gesellschaft, die Gemeinschaft zusammenhält. Und Kultur ist auch der Anspruch dieser Gesellschaft, das Miteinander in Fairness, in Respekt und hoher Toleranz zu gestalten.

Dies beginnt bei Konzerten unterschiedlichster Ausrichtung, dies geschieht in besonders hohem Maße auf den MondscheinMärkten in Schwarzenbruck, die für uns beispielhaft sind für faires und respektvolles Miteinander in einer Gemeinschaft, in einer Gemeinde. Und dies geschieht auch in der Ausstellungsarbeit, wo wir hauptsächlich Schwarzenbrucker Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit bieten, sich darzustellen, ihren Beitrag zur Gemeinsamkeit auszustellen. Ganz wichtig auch für uns im Kulturbegriff das Heranführen der jungen Bürger an dieses respektvolle und tolerante Miteinander durch die Kunst, durch das Gemeinsame.

Ist Kultur eine Voraussetzung für ein soziales Zusammenleben unserer Gesellschaft?

Wie schon oben angedeutet, hat für uns Kultur eine ganz wichtige Funktion als Aktivator für Gemeinsames, für ein friedliches Miteinander und auch für das Austauschen gegensätzlicher Positionen – aber eben ohne populistischen Argumentations-Ritualen. Um nochmal auf den MondscheinMarkt in Schwarzenbruck zu kommen: wenn es ihn nicht schon gäbe, man müsste ihn erfinden. Selten haben wir so viele unterschiedliche Menschen unterschiedlicher Ausrichtungen und Alters, unterschiedlicher Konfessionen und Herkünfte so friedlich und fröhlich miteinander und nebeneinander zusammen gesehen und erlebt. Noch nie auf all den jetzt schon fast 50 MondscheinMärkten hat es jeh Streit gegeben – einziger Wehrmutstropfen waren jeweils Warteschlangen bei den „3 im Weggla“ … Und auch unsere KulturTouren im Süddeutschen Raum führen Menschen, Bürgerinnen und Bürger zusammen, die sonst nie gemeinsam etwas unternommen hätten. Hier kommt der gelebten Kultur wirklich ein schöne Rolle zu, die wir immer wieder gerne aufnehmen.

Welche Voraussetzungen muss eine Kommune schaffen, damit es in der Gesellschaft ankommt?

Falls bzw. wenn eine Kommune die Bedeutung von Kultur und deren Nebenwirkungen erkennt, wird sie ganz sicher diesem Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens eine große Bedeutung beimessen. Dies kann in Form eines Kulturreferenten, einer kulturfördernden Organisation und auch einer motivierenden Zusammenarbeit mit jenen, die sich um Kultur in einer solchen Gemeinde kümmern, unterstützt und gelebt werden.

Bietet Ihnen die Gemeinde genug Unterstützung?

Nein – lassen Sie mich nochmal nachdenken. Nein, leider gar nicht. Mein Gefühl als Vorstand eines sehr aktiven KulturNetzwerkes in Schwarzenbruck geht eher Richtung Ignoranz und Gleichgültigkeit. Leider steht Kultur im politischen Schwarzenbruck an der letzten aller möglichen Stellen (Kommentar eines Gemeinderats-Mitglieds während einer Sitzung: Was brauchen wir Kultur – wir haben doch Feucht und Burgthann …)

In anderen Kommunen werden Vereine die für die Kultur zuständig sind mit einem Budget unterstützt, wie viel finanzielle Unterstützung bekommen Sie?

Leider keine Unterstützung – wir müssen für kulturelle Veranstaltungen in der Bürgerhalle noch kräftig zahlen, was Konzerte noch defizitärer macht als eh schon …

Aber ander herum: gottseidank keine Unterstützung, denn dadurch sind wir selbstständig und frei, was unserer Arbeit und damit den Bürgerinnen und Bürgern sehr zugute kommt.

Werden Ihre Veranstaltungen von den Verantwortlichen der Gemeinde in der Regel besucht?

Ich habe es mir abgewöhnt, Vertreter der Gemeinde auf unseren Veranstaltungen zu begrüßen, weil seltenst jemand von der Gemeinde unsere Veranstaltungen besucht.

Kommen wir jetzt zu Ihren Wünschen, nennen Sie mir 3 Verbesserungen für eine bessere Kultur in Schwarzenbruck.

Wunsch 1 ist ganz sicher die Positionierung einer Person, eines Ansprechpartners für kulturelle Fragen in der Gemeinde – auch um verschiedene kulturelle Angebote besser koordinieren zu können.

Wunsch 2 ist mehr ein Traum: Akzeptanz und Respekt unserer Arbeit gegenüber. Zum einen durch Besuch von Veranstaltungen und durch aktive Unterstützung. Ein kleines Beispiel: die Bürgerhalle ist eine sehr schöne Location für Veranstaltungen bis 200 Besuchern. Leider ist die Bestuhlung sehr unglücklich – wir haben beschlossen, für unsere „Kleinkunst“-Events jetzt Bistrotische zu besorgen, haben kleine LED-Leuchten darauf platziert und siehe da: die Bürgerhalle war magic, alle waren begeistert. Dies hatten wir lange von der Gemeinde gefordert/gewünscht – leider nie bekommen.

Und der andere Aspekt dieses Respekts unserer Aktivitäten gegenüber ist zum Beispiel unsere Pressearbeit: pro Jahr senden wir ca. 60 bis 70 Botschaften an bis zu 20 verschiedene Print- und Online-Medien – die zum Glück in hohem Maße gedruckt und verbreitet werden. Und immer mit SCHWARZENBRUCK. anfangen. Also ein sehr positiver Beitrag zur aktiven Wahrnehmungsmöglichkeit der Gemeinde Schwarzenbruck. Noch nie haben wir auch nur einen Kommentar zu all diesen imagefördernden Maßnahmen gehört. Nicht ein einziges Mal.

Wunsch 3 ist, dass Wunsch 1 und 2 in Erfüllung gehen und ich als Vorstand wieder mehr Zeit habe, meiner Malerei nachzugehen – denn gegen all die Widerstände und Ignoranz anzukämpfen kostet viel Zeit und Kraft.

Was waren Ihre größten Enttäuschungen?

Okay, dazu ist jetzt schon viel durchgedrungen – aber zusammengefasst ist die große Enttäuschung sicher die, dass die politische Gemeinde unsere Arbeit nicht mal zur Kenntnis nimmt geschweige fordert oder fördert. Wir planen und organisieren unsere vielen Maßnahmen für die Bürgerinnen und Bürger von Schwarzenbruck, aber nicht mehr für die Gemeinde …

Ihre nächsten Projekte?

Wie im letzten Jahr sind wieder viele hochinteressante KulturTouren geplant, im Frühling und im Herbst gibt es wieder qualitativ sehr anspruchsvolle Konzerte, die Ausstellungen im Rathaus (Dank an die Gemeinde für die Überlassung des Raums …), im Petzhaus und in der Galerie Pfaff (2. Vorstand) und auch die aktive Mitarbeit an der Entwicklung und Umsetzung der MondscheinMärkte. Und wenn es noch Überraschungen gibt, werden wir es rechtzeitig veröffentlichen. Mit dem ersten Wort: SCHWARZENBRUCK.